Die Freude leben.

Ein schwerfälliges Krachen und ächzen durchdringt die Dämmerung. Noch ist es tief dunkel. In der Nacht hat es geschneit und die Welt wirkt sanft und still. Wieder knarrt und kracht es. Die alte Mühle scheint in einen Schlaf gefallen, so lange steht sie hier schon und bewegt sich nicht mehr. Die Fassade ist verfallen und lässt doch einen Hauch ihrer Schönheit hindurch schimmern. Viele Menschen waren hier früher. So viel Leben. Die Kinder, die unbeschwert im Bach spielten. Der Müller, der die unterschiedlichen Körner in das Mahlwerk füllte. Die vielen Säcke mit den Mehlsorten. Die Händler. Die Frauen. Freudige Gespräche. Lachen. Leben einfach.

Noch einmal krachte es im Gebälk. Es hatte den Anschein, als regte sich das Leben in der alten Mühle.

Ja, sie war es leid immer wieder als nutzlos empfunden zu werden. Sie hatte die Nase voll von dieser Starre, die ihr auferlegt wurde. Niemand kümmerte sich, doch das brauchte sie auch nicht mehr. Sie spürte, wie der Bach das Mühlrad umspülte. Sie sehnte sich so danach sich zu bewegen. Das Rad zu drehen. Das Wasser in den Schaufeln zu spüren. Und nicht von oben beregnet zu werden, wenn der Regen sein Wechselspiel mit der Sonne aufführte.

Sie wollte leben. Sie wollte sich bewegen. Sie wollte DAS tun weshalb sie da war. Nichts konnte sie mehr aufhalten. Kein zurückhalten. Sie wusste, der Riegel der das Rad fixierte würde dem Druck schon sehr bald nachgeben. Noch einmal ruckelte sie, dass die Balken ächzten.

Sie wollte nicht aufgeben, dafür hatte sie zu lange schon versucht sich zu befreien. Noch ein mal dachte sie. Doch das dachte sie immer. Noch ein mal. Sie sammelte ihre Kräfte und dachte sich, diesen Versuch noch. Sie ruckelte und mit einem dumpfen Knirschen brach der Riegel.

Die Mühle dachte, es wäre nur wieder ein Krachen im Gebälk gewesen, und ihr Ruckeln wäre sinnlos gewesen. Schon beinahe glaubte sie die Hoffnung zu verlieren, als sie eine Bewegung spürte. Ganz sanft, und so ungewohnt. Fremd und doch vertraut. Sie spürte tiefer. Spürte, was das für ein Gefühl war.

Wenn die alte Mühle Augen und ein Gesicht gehabt hätte, hättest du jetzt sehen können, wie ihre Augen groß wurden. Du hättest die Funken in ihren Augen gesehen. Die Freude. Die Tränen. Und dieses herzerfrischende Lachen, als sie merkte, dass sie frei war. Als sie merkte, wie das Wasser des Baches in die Schaufeln ihres Mühlrades floss und immer weiter nach oben stieg.

Sie war lebendig. Oh sie fühlte sich so wundervoll.

Ein junges Pärchen, was des Weges kam, sah erstaunt, dass sich das Mühlrad drehte und verliebte sich in diesen Ort, in diese Mühle, die in ihren Augen in den wundervollsten Farben erstrahlte. Schon lange waren sie auf der Suche nach so einem Ort. Und nun hatten sie ihn gefunden. Nun hatten sie sich gefunden, und die Mühle erstrahlte schon bald in alter Pracht. Ihr Mahlwerk wurde wieder benutzt, und im Gebäude und außen standen Stühle und Bänke, die täglich von Besuchern belagert waren. Alle wollten die alte Mühle besuchen. Den Geschichten lauschen, die Gemeinschaft spüren. Die Freude leben.

great blessings

Sirut Sabine

ALLES ist mit allem verbunden, eingebunden in das Große Muster der Welt. Nur du selbst kannst herausfinden, wo dein Platz ist und wie du ihn voller Freude ausfüllen kannst. https://lebensradweg.de/

Wenn du Fragen und Anregungen für mich hast, schreibe sie doch einfach in den Kommentar, denn nur so kann ich erkennen was dir wichtig ist und ob der Beitrag wirklich unterstützend für dich ist.

time to change – ist mein neuer kostenloser Online-Workshop, der dich mit den Elementen des Lebens verbindet. https://lebensradweg.de/online/time-to-change.html

2 Kommentare zu „Die Freude leben.

  1. Liebe Sirut Sabine,
    DANKE für diese wundervolle Geschichte. Ich wünsche Dir eine lichtvolle, gesegnete Zeit. 🎄✨
    Alles Liebe
    Anett

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