Die pure Lust am Leben

Ich bin im Wald und laufe den Weg entlang. In mir kreisen meine Gedanken. Was war mein Traum vom Leben? Was ist es, was ich mit den Menschen teilen möchte? Immer und immer wieder steigen diese Fragen in mir auf, und wenn ich ihnen versuche nachzugehen, nichts außer Stille. So langsam verliere ich die Geduld mit mir, mit den Fragen und den fehlenden Antworten. Was soll ich hier? Wut steigt in mir auf. Was soll diese ganze Sucherei in der ich mich zu verlieren scheine? Die Wut kriecht höher, die Schritte werden stampfender. Vergiss das Atmen nicht. Wie soll ich atmen, wenn mir die Wut den Hals zuschnürt? Die saftigen, grünen Blätter die sich im Wind wiegen erscheinen mir wie ein Hohn. Sie wissen um ihre Aufgabe, um ihren Wert und ihren Platz. Wieso fällt es mir so schwer mich daran zu erinnern? Tief in mir, wenn ich einen Blick tiefer an der Wut vorbei erhasche, kann ich spüren, dass all das was sich gerade in meinem Leben ereignet einen tiefen Sinn hat. Zu gerne würde ich wissen, welchen. Doch die Antwort darauf bleibt mir verschlossen.

Ein Sonnenstrahl fällt direkt auf den Weg vor mir. Im ersten Moment realisiere ich es kaum, und dann erkenne ich, dass dieser Sonnenstrahl eine Einladung ist. Eine, die mich dazu auffordert mich in dieses Licht hinein zu stellen. Mich in MEIN Licht zu stellen. Doch wie soll das gehen, wenn ich nicht einmal weiß, wie sich mein Licht anfühlt, was es ausstrahlen will. Du musst das auch nicht wissen. Das ist nur dein Kopf der nach Sicherheiten sucht. Ich blicke mich um, wer ist da, wer spricht da? Nichts ist zu sehen, und zu hören ist nur der fröhliche Gesang der Vögel und das leise Rascheln der jungen Blätter im Wind.

Mein Blick fällt auf einen kaum sichtbaren Pfad und ein innerer Impuls fordert mich auf ihm zu folgen. Vorsichtig entferne ich mich vom Hauptweg und blicke mich aufmerksam um, damit ich später wieder zurückfinde. Der schmale Pfad ist kaum sichtbar und es scheint sich mehr um einen Wildwechselpfad zu handeln als um einen Weg, und doch gehe ich weiter. Sanft und immer kraftvoller steigt Neugier in mir auf. Wohin führt dieser Weg? stellt sich die Frage in meinen Kopf. Nun bin ich hier schon so oft entlanggewandert, doch dieser Weg ist mir noch nie aufgefallen.

Die Farne und kleinen Sträucher werden immer dichter, und dennoch drängt es mich weiter zu gehen. Hier und da höre ich es rascheln neben mir und vermute eine kleine Maus, oder einen Vogel, der nach Nahrung sucht. Auch die Bäume stehen hier dichter, und ihr Wurzelwerk bietet zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten für Kleintiere. Meinen Augen tun diese Farben und das junge Grün so gut, und ich spüre, wie die anfängliche Neugier langsam verschwindet. Wofür soll das gut sein? Wieso bin ich nicht auf dem Hauptweg geblieben? da wusste ich wo es langgeht.

Ich drehe mich um und bemerke, dass ich den Weg schon kaum noch zurückverfolgen kann. NA bravo, nun habe ich mich auch noch im Wald verirrt, und schwupp, ist meine Wut wieder da. Du hast dich nicht verirrt. Du bist auf deinem Weg. höre ich wieder diese Stimme, die ich niemandem zuordnen kann. Geh einfach weiter. Setze einen Schritt vor den anderen. Du bist schon fast bei mir. Bei mir? Wer ist dieses Mir? Meine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, denn ich erhalte keine Antwort. Und mit der schwindenden Geduld wächst meine Wut.

Oh Mann! Ich habe heute wirklich keinen Bock auf diese Spielchen, rufe ich fast schreiend in den Wald hinein. Hab ich denn nicht schon genug mit den Fragen nach dem Sinn meines Lebens zu tun? Und nun soll ich hier auch noch Rätsel raten. Wutschnaubend bleibe ich stehen. Ich hab keinen Bock mehr! Ich habe auch keinen Bock mehr diese sinnlosen Fragen in mir zu beantworten. Ich denke ich gehe zurück und vergesse all das was ich glaube gelernt zu haben. Es scheint wirklich nur eine Illusion zu sein. Spirituelles Erwachen – was soll das schon sein? Was soll das bringen?

Meine Stimme versagt und ich muss husten, so laut habe ich die Fragen aus mir herausgeschrien. Mit dem Husten lösen sich Tränen. Atme und in zwei Schritten bist du da. Oh Mann – lass mich doch einfach in Ruhe, keife ich die unsichtbare Stimme an. Stille. Ich höre mich weinen. Schluchzend löst sich all die angestaute Wut. Ich spüre, wie mein Körper einige Schritte weiter geht, und als ich die Tränen abwische stehe ich neben einer alten Buche am Rand einen Lichtung.

Völlig erschöpft lasse ich mich am Stamm entlanggleiten bis ich auf den großen alten Wurzeln zum Sitzen komme. Wieder wollen die Gedanken in meinem Kopf ihre wilde Jagd beginnen. Atme tief durch. Atme und lasse los. Tränen laufen meine Wangen hinab. Ich fühle mich erschöpft und allein. Du bist nicht allein. Ich bin doch da. Ich halte dich. Atme und lass dich tief in meine Arme gleiten. Die Worte berühren mein Herz und lösen sogleich einen erneuten Tränenschwall aus. So lange schon sehne ich mich danach einfach mal schwach sein zu dürfen, mich einfach mal in die Arme eines anderen sinken zu lassen. Atme und lass all deine Wut los. Atme, ich bin hier. Langsam lösen sich mit den Tränen auch meine Gedanken auf. Ich spüre, wie mich eine tiefe Müdigkeit überkommt. Nein, ich habe wirklich keine Lust mehr zu kämpfen. Ich möchte schlafen, einfach nur schlafen und all das vergessen.

Mir ist, als ob mich ein helles Licht weckt. Ein Licht so golden und strahlend, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe. Vorsichtig öffne ich meine Augen, um nicht geblendet zu werden. Es ist so schön dich hier zu sehen. Ich blinzle in das helle Licht hinein und erkenne nur Umrisse. Ich hoffe, ich habe dich nicht zu sehr erschreckt. Ich bin hier um dir etwas über die Zusammenhänge des Lebens zu erzählen. Noch immer versuche ich das schemenhafte Bild klarer zu erkennen, doch meine Augen haben sich noch nicht an das Licht gewöhnt. Schließe deine Augen ruhig noch ein bisschen, gib dir Zeit, du wirst dich an das Licht gewöhnen. Also schließe ich noch einmal meine Augen, obwohl ich schon neugierig bin, wer oder was sich in diesem wundervollen Licht verbirgt.

Weißt du, das möchte ich gleich zu Beginn erwähnen, du bist so wundervoll, so mutig, das du bereit bist, deinem Weg zu folgen, auch wenn du nicht weißt, wohin er dich führen mag. Genau das ist es, was viele Menschen fürchten und sich nicht auf den Weg ihrer Seele begeben. Sie wollen Sicherheit, doch das Leben kann dir nur so viel Sicherheit anbieten, wie du bereit bist, in Unsicherheit zu verweilen. Weißt du, die einzige Sicherheit, die das Leben dir schenkt, ist, dass es in ständiger Bewegung ist, in fortwährender Verwandlung. Das ist es, was die Menschen zu fürchten gelernt haben. Und so wie ihr euch vor Veränderung fürchtet, so habt ihr begonnen, euch vor eurer wilden Natur zu fürchten.

Eure wilde Natur ist wie das Leben selbst. Sie ist unberechenbar. So wie Teenager, oder so, wie meine Eltern nicht gerne gesehen haben, wenn ich meinen Kopf durchsetzen wollte? JA genau so. Würde es nicht ein heilloses Durcheinander geben, wenn jeder Mensch das täte, was ihm gerade in den Sinn kommt? Es braucht doch bestimmte Regeln, damit ein Zusammenleben überhaupt funktionieren kann. Das stimmt schon, nur habt ihr so viele Regeln, und dazu noch so viele unsinnige Regeln, dass ihr vergessen habt, dass die Natur ihre eigenen Regeln hat. Und mit eurem Regelwerk im Kopf wächst euer Unmut, wächst euer Bedürfnis nach Sicherheit und die Angst davor, diese Sicherheit zu verlieren. Würde denn nicht die ganze Welt ins Chaos fallen, wenn die Regeln verschwinden würden? Ja, wenn alle Regeln verschwinden, und wie gesagt, es gibt einige, die wirklich essenziell sind, die das Leben hier mit allem Leben verbindet, und die grundlegend sind für ein gemeinsames Überleben.

Hast du vergessen, wie die Regeln der Natur sind? Sterben, geboren werden, wachsen, altern, sterben. Das ganze Leben unterliegt diesem Kreislauf, auch deines. Jeder Gedanke in dir wird aus einem Impuls heraus geboren, beginnt zu wachsen, wenn du ihn nährst, dann trägt er Früchte, die du ernten kannst, bis er eines Tages stirbt und neuen Ideen Raum schenkt. Ihr Menschen habt mit eurer Technologie so vieles vergessen, was euch in eurem Leben begleitet, nährt und lehrt. So viele Möglichkeiten bleiben unbeachtet liegen oder ziehen an euch vorbei.

So viel Leben zieht ungelebt an euch vorbei. Ihr hetzt den lieben langen Tag hinter Dingen her, die ihr glaubt für euer Leben zu brauchen, doch dabei vergesst ihr das Leben zu leben. Aber brauchen wir nicht Geld um unser Leben zu bestreiten? Wir müssen Nahrung kaufen, die Wohnung unterhalten und einiges mehr. Ja, das stimmt, und doch vertraut ihr nicht darauf, dass das Leben für euch sorgt. Ihr wollt immer mehr und mehr und fühlt euch dadurch immer leerer. Das stimmt. Und wie ist es mit deinen Gefühlen? Die vergisst du so oft in dieser Hatz nach dem Geld. Du unterdrückst sie, und das auch noch so tief, dass du völlig überwältigt bist, wenn sie dich in einem Moment wie eben überrennen. Es ist nicht immer einfach, alle Gefühle zu spüren, ihnen Raum zu geben. In manchen Situationen ist es eben unpassend. Wer sagt dir das? Wer behauptet so etwas? Gefühle sind immer Boten deiner Seele und sie geben dir immer Antworten. Nur du hast verlernt ihnen zuzuhören. Du hast mehr dem Wissen anderer vertraut, die dir sagten, deine Gefühle sind unpassend, deine Gefühle stören jetzt gerade oder erinnern den anderen an seinen eigenen Schmerz. Du hast dich angepasst, verbogen und stellenweise verleugnet. JA das habe ich, und doch bin ich hier, und doch bin ich bereit mir meine Gefühle anzuschauen. Das weiß ich und ich erkenne auch, wieviel dir davon schwer fällt, eben weil du nicht fühlst, sondern mit deinem Kopf versuchst etwas zu ergründen, was dein Verstand nicht ergründen kann.

Oh Mann, das ist echt eine Herausforderung. Rüge dich nicht, denn du machst das wirklich gut. Und mit jeder Schicht, die du bereitwillig loslässt, kannst du tiefer in deine Essenz eintauchen, bis … bis sie eines Tages wahrlich dein ganzes Sein durchleuchtet. Wenn ich dann so leuchte wie du, brauche ich eine Sonnenbrille um mich im Spiegel anzuschauen, sage ich lachend in das Licht hinein, was vor meinen geschlossenen Augen erstrahlt. Das ist gut möglich, und es ist auch möglich, dass du dich daran gewöhnst, und wenn alle Menschen so strahlen, wird es keinen Unterschied mehr machen. Das stimmt. Du hast mir wirklich sehr viel weiter geholfen, ich danke dir dafür, und für dein Zuhören. Das freut mich sehr. Und ich freue mich darauf dir bald wieder zu begegnen. Tief durchatmend und mit einem wohligen Gefühl in meinem Herzen und meinem Bauch öffne ich vorsichtig meine Augen um zu schauen, mit wem ich gesprochen habe. Doch die schemenhafte Form die ich wahrgenommen habe hat sich wie in einem Nebel aufgelöst.

great blessings

Sirut Sabine

Sinn-Finderin, Loslass-Expertin und Neuanfangs-Coachin

ALLES ist mit allem verbunden, eingebunden in das Große Muster der Welt. Nur du selbst kannst herausfinden, wo dein Platz ist und wie du ihn voller Freude ausfüllen kannst.

Ich unterstütze dich dabei, DEINen WEG ZURÜCK ZU DIR zu gehen.

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© Sirut Sabine Haller

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