Lehrjahre, Gesellenjahre, Meisterjahre

Als ich heute früh aufwachte, hatte ich eine besonders schöne Erinnerung. Ich erinnerte mich daran, als ich vor fast 25 Jahren lernte Haare zu schneiden. Ich erinnerte mich daran, wie aufgeregt ich war und zugleich ängstlich, etwas falsch zu machen.

Die Zeit meiner Lehre war eine schöne Zeit, obgleich sie nach wirklich alten Regeln abgelaufen ist. Damals trugen wir noch Kittel und hatten einzelne Kabinen in dem Friseursalon, der im Ort selbst schon der modernste war. Ich weiß noch, wie oft ich innerlich brodelte, wie oft ich mich widersetzen wollte, und wie oft meine Mutter besänftigend auf mich einredete, das ich doch froh sein sollte, diese Stelle zu haben. Mit der Zeit fügte ich mich ein. Mit der Zeit lernte ich – hauptsächlich durch beobachten und ausprobieren.

Und dann war er da, der erste Tag, an dem ich selbst jemandem die Haare schneiden durfte. Die Aufregung verstärkte sich mit jedem Schnitt, da meine Chefin mir auf die Finger sah. Meinem Gefühl nach dauerte es ewig, bis ich den Haarschnitt fertig hatte, und ich war nochmal aufgeregter, als meine Chefin selbst ein weiteres Mal mit Kamm und Schere kontrollierte, was ich da zurechtgeschnitten hatte.

Ab diesem Moment durfte ich viel öfter mit der Schere arbeiten, bekam zumeist die kleinen Kinder, und dann die, die nicht wirklich wollten. Mit Geschicklichkeit und Fantasie brachte ich sie dazu, still zu halten, erzählte ihnen Geschichten und schnitt ihnen die Haare.

Wenn ich selbst heute zum Friseur gehe und beobachte, wie viel sich da verändert hat, staune ich immer wieder. Damals konnte ich mit viel Glück meine Lehre beenden, da sich zur Mitte des zweiten Lehrjahres eine Allergie gegen die Chemikalien entwickelte.

Meine Gesellenjahre im Haareschneiden verbrachte ich dann damit, dass ich meiner Familie den Friseur ersetzte, und selbst heute kann ich das noch. Ähnlich wie beim Fahrradfahren, sind mir die Technik und Bewegung in Fleisch und Blut übergegangen.

Die Kreativität von damals begleitet mich schon mein ganzes Leben, und hat mir immer wieder neue Wege und Möglichkeiten gezeigt, sich zum Ausdruck zu bringen. Und es war immer die gleiche Abfolge.

Lehrjahre – Gesellenjahre – Meisterjahre.

Heute kann ich dieses Muster sehr deutlich erkennen, und ich kann auch erkennen, wann und wo ich mich davor drücke, die Meisterschaft in mir anzuerkennen. Meist entlockt es mir ein liebevoll mitfühlendes Lächeln, wenn ich dann im Tun merke – du kannst es doch.

Wie ist es bei dir?

Wo drückst du dich davor deine Gesellenjahre in Meisterjahre zu verwandeln? Die Zeit ist reif dafür. Oder glaubst du weiterhin, noch diese oder jene Ausbildung zu brauchen? Und wenn ja wofür?

Klar gibt es Ausbildungen, die dich dabei unterstützen wieder in einen Beruf zurückzufinden, da sich – gerade im technischen Bereich – so viel verändert hat. Auch ich bräuchte, wenn ich heute dem neusten Trend des Haareschneidens folgen wollte, wohl weit mehr als eine kurze Umschulung. Doch ich will auch nicht zurück. Ich bleibe dabei, meinem Herzen zu folgen. Und auf diesem Herzensweg – so scheint es – begebe ich mich gerade durch meine Gesellenjahre hindurch und auf die Meisterprüfung zu.

Auf welcher Station deiner Lebens-Ausbildung befindest du dich denn nun?

Fragst du dich, wann die Lehrjahre vorüber sind?

Bist du „auf der Walz“ wie so manche Gesellen?

Oder stehst du davor, deine Meisterprüfung abzulegen?

An welchem Platz du auch stehst, nimm das Angebot des Lebens dankbar an und vor allem, nimm deinen Platz ein. Es gibt keine wichtigere Zeit dafür als jetzt.

Stell dir die ehrliche Frage, ob du weiterhin vor deiner Verantwortung davonlaufen willst, dich kleinmachen willst, oder ob du – auch mit einem mulmigen Gefühl im Bauch – nun bereit bist, DEINEN Platz einzunehmen.

In Liebe.

Sirut Sabine

ALLES ist mit allem verbunden, eingebunden in das Große Muster der Welt. Nur du selbst kannst herausfinden, wo dein Platz ist und wie du ihn voller Freude ausfüllen kannst.

Gerne unterstütze ich dich dabei, deinen Weg zu erkennen um ihm zu folgen.

Wenn du Fragen und Anregungen für mich hast, schreibe sie doch einfach in den Kommentar, denn nur so kann ich erkennen was dir wichtig ist und ob der Beitrag wirklich unterstützend für dich ist.

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© Sirut Sabine Haller

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