Abschied

[in Erinnerung an einen lieben Freund und Mentor]

Noch ziehen Nebel durch das Tal und die Waldränder herauf, doch langsam bricht die Sonne durch die Wolken. Es ist noch sehr früh, ich habe kaum geschlafen in dieser Nacht. Wie auch, an Walpurgis oder sollte ich sagen Beltane. Irgendwie gehört es doch zusammen und beides beschreibt das gleiche, nur in anderen Worten. Ein Fest der Freude, des Tanzes und neuerwachten Lust am Leben. Lange haben wir am Lagerfeuer gesessen, die nächtliche Kälte kaum gespürt. Doch so fröhlich wie in den letzten Jahren ist das Fest nicht verlaufen, Sorgen schwelten unaufhaltsam im Hintergrund. Die Krankheit des Schamanen überschattet das sonst so fröhliche Treiben. Als ich meine Gewänder angelegt habe schaue ich nach den Resten des Feuers. Da ist noch etwas Glut unter der Asche, genau so viel, um es erneut zu entzünden. Ich blicke versonnen in die von leichten Sonnenstrahlen durchdrungenen Nebel. Die Vögel singen ihre Lieder und können kaum erwarten den Tag zu beginnen. Ein kalter Schauer durchfährt mich und erst jetzt bemerke ich, dass die Nacht doch noch recht kalt war, und glücklich über das wärmende Feuer fülle ich Wasser in den Topf für frischen Tee.

Die Häuser liegen still in der Morgendämmerung, nur die aufsteigende Wärme daraus ist als dampfende Wolken auf den Dächern zu sehen. Ich blicke mich um und genieße diese Stille. Wie viel Zeit würde uns noch bleiben, hier an diesem Ort, und vor allem wie viel Zeit noch mit dem Schamanen? Es war noch nicht lange her, als ich ihn kennenlernte, damals, es war Ostara-Markt, als ich ihm begegnete. Nie vergesse ich seine Worte, die mich fragten, woher wir uns kennen. Doch wir sind uns vor diesem Tag nie begegnet. Schon da, in diesem Augenblick fühlte ich in meinem Herzen eine tiefe Verbindung zu ihm und seiner Art, mich mit dem Wissen in mir in Berührung zu bringen. Langsam erwachen die Häuser aus ihrem Schlaf. Die Priesterin ist aufgewacht und kommt zu mir ans Feuer. Auch sie spürt, dass sich eine Veränderung anschleicht. Gemeinsam und schweigend genießen wir die Wärme des Feuers und des Kräutertees. Mehr und mehr Freunde gesellen sich zu uns, und vertreiben die bedrückende Stille. Kinder toben umher, ohne eine Spur von Müdigkeit und schon wird das Haupttor geöffnet, um die ersten Gäste willkommen zu heißen. Wie am vergangenen Tag besuchen viele Menschen unseren kleinen Markt. Doch auf einmal ereilt uns eine Nachricht, mit der wir nicht gerechnet haben, die jedoch immer wieder wie ein Schatten auf das fröhliche Treiben herabfiel. Ich sah wie die Priesterin in sich zusammen brach und lief zu ihr. Kaum das sie sprechen konnte, wusste ich was geschehen war. Der Schamane war tot. Hinübergegangen auf die andere Seite, scheinbar weit entfernt von uns erschütterte diese Nachricht nun unsere Welt. Was sollte nun aus uns werden? Ohne ihn und seine unterstützende Weisheit.

In aller Trauer und Verzweiflung kamen mir die Worte des Barden in den Sinn:

Der Mond scheint voll und klar, taucht die Welt in bleiches Licht.
Nebel – sonderbar – verschleiern Sein und Sinne.

Sieh‘ ein Rabe fliegt, hinaus ins dunkle, weite Land.
Auf seinen Schwingen liegt mein innigster Gedanke.

Mag er ihn bewahren, auf diese Weise weitertragen,
weit in die dunkle Walpurgisnacht.

Einen Moment lang sah ich diese Welt aus seinen Augen.
Einen Moment lang spürt‘ ich seine freie Seele.

Als der Morgen graut, ist er dem Blick entschwunden –
es neigt sich diese Walpurgisnacht.

Textauszug aus dem Lied „Walpurgisnacht“ von Schandmaul
Tränen steigen in mir auf, jedoch auch die Gewissheit, dass der Schamane nicht fort ist, sondern nur in einer anderen Welt.

In Liebe.

Sirut Sabine

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© Sirut Sabine Haller

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