Das Leben kennt den Weg

Es ist Ende Februar und in der Nachbarschaft der Backstube in der ich viermal die Woche arbeite, sind drei Lämmer geboren. Das erste am Dienstag, die anderen beiden am Donnerstag. Am Freitag konnte ich sie nahe bei ihren Müttern liegen sehen und am Samstag sind sie wild hüpfend über die Wiese gesprungen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, in welch kurzer Zeitspanne diese kleinen Dinger lernen müssen. Nicht nur, das sie gleich nach der Geburt aufstehen müssen um an die Milch ihrer Mutter zu kommen, sie sind auch noch Wind und Wetter ausgesetzt. Dafür haben sie zwar einen kuscheligen Pelz, dennoch, wenn dieser zu nass wird entstehen schon die ersten Schwierigkeiten. Da ist kein Fön, der die Wolle mal schnell trocknen kann. In einem Jahr müssen sie alles lernen, was sie für ihr über-leben brauchen. Ich finde das eine sehr knapp bemessene Zeitspanne, und wenn wir bedenken, was manche Menschen ihr Leben lang nicht lernen, ist es wirklich erstaunlich, wie wir bis hierher überlebt haben.

Die technischen Errungenschaften habe ich ja schon weiter oben angesprochen und ich möchte hier noch einmal darauf zurückkommen. Allerdings mit einer leisen Kritik. Denn bei der ganzen Technifizierung vergessen wir, wie wir ein Feuer ohne Feuerzeug entfachen können. Oder weißt du, wie spät es ist, wenn die Batterien deiner Uhr versagen? Kannst du deine Richtung anhand des Sonnenstandes oder der Bäume ermitteln? Siehst du im Wald die Spuren, die das Wild im Unterholz hinterlassen hat? Kennst du den Gesang der Amsel? Weißt du, dass sie im Regen singt? Und das alle Vögel schweigen, wenn ein Gewitter aufzieht? Alle diese Dinge lernen wir nicht in der Schule. Und wie viele Kinder wissen nicht, dass Kühe nicht lila sind? Meine Lieblingsradiosendung hierzu ist „Der Dummfrager“ von ffh. Ok, wenn ich ein Mikrofon unter die Nase gehalten bekomme fällt mir die eine oder andere Antwort vielleicht auch nicht ein. Doch allzu oft frage ich mich ernsthaft, ob ich diesen Menschen meine Zukunft anvertrauen möchte.

Was aber sollen unsere Kinder in der Schule lernen, wenn selbst die Lehrer nicht wissen, was sie lehren sollen? Zu meiner Zeit gab es noch Koch-, Werk- und Handarbeitsunterricht in der Schule. Zugegeben, meine Klasse war die letzte, in der diese Fächer unterrichtet wurden, doch ich habe dabei auch vieles gelernt. Ich kann meine Socken stopfen, oder ggf. neue stricken. Die Mädels von heute schauen mir fasziniert dabei zu. Wie schade ist es, wenn die ganzen alten Handwerke verloren gehen. In einer Welt die immer schneller, größer und rationeller arbeiten will, wird sich die Menschheit bald selbst überholt haben. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir alle zurück ins Mittelalter fallen sollen. Ich möchte vielmehr einen Denkanstoß geben, sodass jeder für sich einfach mal hinterfragen kann, wieviel Technik wirklich notwendig ist und was ohne diese, einfach mehr Lebensfreude bereitet. Wir haben vielleicht die Möglichkeiten den Gesang der Welt, die Gerüche der Jahreszeiten und Kunstschnee herzustellen, doch damit betrügen wir letztendlich nur uns selbst.

Wie weit sind wir in unserer zwischenmenschlichen Beziehung denn nun wirklich schon Erwachsen? Bist du bereit für deine Wahrheit einzustehen? Bist du bereit deine Waffen nieder zu legen? Bist du wirklich bereit deinem Gegenüber zuzuhören? Bist du bereit deinen Mantel zu Teilen um jemandem der keinen hat zu helfen? Betrachte unsere liebgewonnenen kirchlichen Feiertage einmal nicht aus der Sicht eines arbeitsfreien Tages. Kannst du dich an den Ursprung und den Sinn dieser Feiertage noch erinnern? Oder ist dir all dieses kirchliche Zeugs sowieso schnuppe? Aber wenn du nicht daran glaubst, und auch nicht an die Wunder der Natur, woran glaubst du dann? An die Technik? Die von den Großkonzernen gesteuert wird? An die Sonne, die tagtäglich für dich scheint? Aber halt, ihre Strahlen sind ja auch so gefährlich. Also geh im Sommer ja nicht um die Mittagszeit raus. Und frische Luft gibt es ja sowieso nur noch selten. Bäume – wozu braucht es die eigentlich, da könnte doch sinnloser weise auch noch ein Einkaufszentrum stehen. Am besten mit Freizeitpark nebendran. In der Spanne dieses Kapitels sind unsere Lämmer vom Anfang bestimmt schon von der Muttermilch entwöhnt. Wenn ein Böckchen dabei ist, kann man bei ihm sicher bereits den ersten Hornansatz sehen. Gewiss prüfen sie sich nun gegenseitig in ihren Kräften. Bald ist das Jahr vorüber und im nächsten sind sie dann geschlechtsreif und tragen selber Lämmer. Sie interessiert es nicht, wieviel heller die Wolle der anderen Schafe ist, und ob sie womöglich weicher sein könnte. Vielmehr freuen sie sich über die Kräuter auf dem nächsten Weidestück. Oder wenn sie von einem Besucher am Zaun ein Stück Brot oder einen Apfel bekommen. Wir allerdings müssen mit der Apfelernte schon langsam an den Winter und die näher rückenden Weihnachtsgeschenke denken. Die Winterreifen sollten dieses Jahr nochmal durchhalten, sonst fallen die Geschenke kleiner aus und die Kinder sind beleidigt. Das will doch niemand. Und schon gar nicht zu den Feiertagen.

Die Frage, die ich mir am häufigsten stelle, ist doch, wieso haben so viele Menschen aufgehört zu lernen? Wieso glaubt jedermann mit Beginn des 20. Lebensjahres erwachsen zu sein? Ist man wirklich so einfach erwachsen, wenn man die 20 überschritten und auf die 30 zugeht? Oder weil man geheiratet hat und Kinder bekommt, die dann auch noch möglichst schnell in die Kita abgeschoben werden? Was vermitteln die heutigen Eltern denn ihren Kindern? Wie man mit dem Handy umgeht? Mit dem Tablet, der Fernbedienung? Und das schönste ist ja noch, was ich vor kurzem im Radio hörte. Kinderlärm ist Stressauslösend und fällt unter Lärmbelästigung. Da sind Mittagsruhe und sonst noch was einzuhalten. Ja geht’s denn noch? Was ist das denn für eine Welt? Auf den Grünflächen der Gemeinden oder Wohnorte dürfen sie ja auch schon lange nicht mehr spielen. Da fasst man sich doch echt an den Kopf. In der Schule wird nur theoretischer Nonsens gelehrt und das auch noch nach uralten Lehrplänen und die Natur ist zu gefährlich zum Spielen. Man bedenke da neben dem sauren Regen die aggressive Sonneneinstrahlung, bei der jeder Arzt sofort die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und den Eltern Vorwürfe macht, die ihr Kind nicht mit Lichtschutzfaktor 200.000 einschmieren. Wenn das Kind dazu nicht geimpft ist, bist du ja als Mutter sowieso schon untendurch. Da hilft alles jammern über das Wetter nichts, wenn nicht irgendwo begonnen wird GENAU hinzuschauen. Oder glaubst du wirklich, dass all diese Allergien und Unverträglichkeiten von der Natur kommen? Nicht im ernst – oder? Ich kenne Kinder, die auch heute noch jeden Abend mit samt ihrer Kleidung in die Waschmaschine könnten, mit soviel Freude haben sie draußen gespielt. Und solche, die mit einem Grashalm auf der Hand sofort einen Hustenanfall bekommen. Da frage ich mich doch, ob die Erde und der Wald in dem ich als Kind spielte mich auch mit all ihren Pollen und so hätte schädigen können. Und – macht die Natur das absichtlich? Oder sind die Menschen zu empfindlich geworden?

Um nochmal zum Thema Lernen zurückzukommen möchte ich hier noch anfügen, das selbst meine Eltern mit den Jahren in denen ich mich auf dem spirituellen Weg befinde, sehr viel von dem angenommen haben, was ich in meinem Denken anders erlebe. Nicht alles, das sollen sie garnicht, aber dennoch machen sie sich ihre eigenen Gedanken darüber und haben auch schon viele der alten Muster verändert. Somit kann ich sagen, selbst mit 70 Jahren kann man noch etwas neues Lernen, wenn man es will.

In Liebe.

Sirut Sabine

ALLES ist mit allem verbunden, eingebunden in das Große Muster der Welt. Nur du selbst kannst herausfinden, wo dein Platz ist und wie du ihn voller Freude ausfüllen kannst. Lass die Freude deines Herzens dein Kompass sein!

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Wenn du Fragen und Anregungen für mich hast, schreibe sie doch einfach in den Kommentar, denn nur so kann ich erkennen was dir wichtig ist und ob der Beitrag wirklich unterstützend für dich ist.

© Sirut Sabine Haller

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6 Kommentare zu „Das Leben kennt den Weg

  1. Sehr schöner text. So was sollte mal in kitas und schulen ausgehangen werden! Meine tochter ist jetzt 16,als sie klein war haben wir am nachmittag oft stunden alleine auf dem spielplatz zu gebracht. Und wenn man keine Ha-milch gegeben hat,waren alle entsetzt.

      1. Wie schön. Meine tochter möchte nach der schule auch in richtung erzieherin gehen. Ich hoffe sehr,daß wenn sie angenommen wird,später etwas von meinen grundsätzen einbringen und verändern kann. Das wünsche ich mir und dir auch für deine tochter. Diese welt braucht dringend junge menschen,die etwas verändern wollen.

  2. Super geschrieben. Du schreibst mir aus dem Herzen.
    Gerade das Thema mit Handarbeit und co.in der Schule finde ich sehr schade.
    Ich kann zum Beispiel keine Socken stopfen. Mittlerweile aber nähen und Sachen flicken / reparieren.
    Man erwartet von der heutigen Jugend,dass sie selbstständig sind und ja keine Probleme machen. Nur wie sollen sie die Selbstständigkeit und Verantwortung lernen,wenn sie in einem Käfig voller Vorgaben gefangen sind?
    Warum einige über 30-jährige Menschen meinen ausgelernt zu haben, frag ich mich auch. Für mich bedeutet jeder Tag etwas lernen,erfahren und sich weiter entwickeln…

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